BANI ist nicht der Nachfolger von VUCA und ich erkläre warum.

Viele Autoren die sich mit Unternehmensberatung, Business Development und der agilen Transformation beschäftigen schreiben gerade über BANI. Das Akronym BANI steht für

  • Brittle (brüchig/porös)
  • Anxious (ängstlich und besorgt)
  • Nonlinear (nicht-linear)
  • Incomprehensible (unverständlich und unbegreiflich)

und soll laut den Autoren die logische folge auf unsere VUCA-Welt sein. Aber ist das wirklich so? Ist BANI der nachfolger von VUCA oder irren sich da einige Autoren?

VUCA

VUCA steht für

  • volatile (unbeständig),
  • uncertain (unsicher),
  • complex (komplex) und
  • ambiguous (mehrdeutig)

Es ist ein Modell um unsere veränderte Arbeitswelt einzuordnen und auf die veränderten Herausforderungen aufmerksam zu machen, ohne dabei eine konkrete Methode darzustellen die bei diesen neuen Herausforderungen hilft.
Erstmals tauchte die bezeichnung VUCA Ende der 80er Jahre im Bezug auf den Kalten Krieg bzw. dem Zusammenbruch der UdSSR auf. In der Geschäftssprache wurde VUCA jedoch erst zu Beginn des neuen Jahrtausends im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung und den daraus resultierenden Herausforderungen verwendet. Im Gegensatz zu manchen Methoden ist VUCA nur ein Modell das zur Bewusstseinsbildung deint.

Das BANI-Modell

Das BANI-Modell wird von vielen als logische nachfolge des VUCA-Modells gesehen. Der Begriff wurde erstmals vom Antropologen, Autorund Futurist Jamais Cascio definiert.
Das Akronüm besteht aus den Begriffen:

  • Brittle (brüchig)
  • Anxious (ängstlich)
  • Non-linear (nicht-linear)

Brittle:
Brüchig sagt aus, dass wenn Strukturen die steif und unanpassungsfähig sind sie schnell risse bekommen und zerbrechen.
In einer unbeständigen Welt werden Organisationsstrukturen die nicht anpassungsfährig und biegsam sind leicht brüchig. Meist brechen starre Objekte unter großen druck dann sehr schnell und spontan. Das macht Brüchigkeit so gefährlich.
Das Management übersieht oft wie ausgereitzt das System schon ist bis zu dem Punkt wo es bricht. Der Grund darin liegt meist darin dass versucht wird den maximalen Gewinn aus dem System herauszuholen und bis zur Belastungsgrenze zu gehen.

Anxious:
Angst ist zwar eine nützliche Emotion in der Evolution, führt aber in Unternehmen dazu, dass Entscheidungen nicht getroffen werden. In starren Organisationen will das Management oft nur dann Entscheidungen treffen, wenn alle Unsicherheiten bekannt, geklärt und potenzielle Gegenmaßnahmen entworfen wurden.
Der Schutzmechanismus Angst führt also dazu, dass Entscheidungsträger in eine Schockstarre verfallen. Das jedoch erhöht nur die Risiken. Angst wird somit als direkte folge der Unsicherheit gesehen.

Non-Linear:
Nicht Lineare Systeme führen dazu dass ein Ursache-Wirkungs Mechanismus außer Kraft gesetzt wird. Dies Trifft auf Chaotische Systeme zu. Eigentlich sollte hier also statt Non-Linear – Chaotic verwendet werden. In unserer bereits sehr komplexen Welt führt die immer größer werdende Komplexität dazu, dass eine Änderung unvorhersehbare Folgen mit sich bringt. Eine Änderung A kann dann zu unvorhersehbaren Folgen für B, C, E, X, V, Y fürhen. Starre und alte Organisationsmodelle und Managementsysteme nehmen diese Konsequenz entweder nicht war, oder vermeiden jegliche Änderung. Eine Vermeidungsstrategie führt jedoch auch nicht zum Erfolg, weil die Komplexität dennoch unaufhörlich weiter steigt und somit auch die Probleme.

Incomprehensible:

Die Unverständlichkeit ist die Konsequenz dieses Chaotischen Systems. Niemand kann ein Chaotisches System analysieren und verstehen. Selbst wenn Organisationen danach streben Chaos und Komplexität zu verringern indem sie starre Prozesse einziehen wirken von der Umwelt immer wieder neue Mechanismen auf die Organisation und stellen sie vor neue Herausforderungen. Daraus resultieren Probleme innerhalb der Organisation und Missverständnisse, weil Lösungen erzeugt werden die keinen Sinn (mehr) ergeben.

BANI VUCA und Systemdenken

In zahlreichen Artikeln[1][2][3] wird beschrieben wie sich aus den verschiedenen Teilen des VUCA-Modells das BANI Modell ableitet. Der Grund dafür liegt in der zuhnemenden digitalen Transformation und der damit steigenden Komplexität. Im Gegensatz zu dem, was aber viele Autoren schreiben folgt nicht aus VUCA BANI, die Modelle Co-Existieren und beziehen sich immer auf das System welches sie beschreiben. Wie im Cynefin-Model beschrieben, können Systeme in verschiedene Kategorien eingeordnet werden und sich über die Zeit hinweg von einer Kategorie in die andere wandeln.
So kann ein System zunächst mal einfach sein, dann kompiziert oder sogar komplex werden. Durch geeignete Maßnahmen und die Reduktion von Abhängigkeiten kann sich das System aber wieder von komplex zurück zu kompliziert entwickeln.

Es ist also nicht notwendig sich entweder für das VUCA-Modell oder das BANI-Modell zu entscheiden. Viel wichtiger ist es sich und das System in dem man sich befindet in den richtigen Cynefin[4] Quadranten einzuordenen und die jeweilige passende Lösungsstrategie/Entscheidungsstrategie zu wählen.

Während das VUCA-Modell eher in den Cynefin-Quadrant Komplexe-Systeme eingeordnet werden kann, so kann das BANI-Modell eher chaotischen Systemen zugeordnet werden. 
Die Lösungsstrategie muss also für Komplexe VUCA-Systeme 
1. probe
2. sense
3. respond
sein, weil diese Systeme nicht linear sind. Eine Änderung (Ursache) führt zu einer vielzahl an Veränderungen (Wirkungen). In diesen Systemen muss also viel ausprobiert und experimentiert werden. Ein exploratives Vorgehen ist notwendig.

In einem chaotischen BANI-System ist jedoch das gesamte System bedroht und instabil. Es wird im Cynefin-Quadrant Chaotisches-System eingeordnet. Das System beinhaltet nicht zu überblickende wechselseitige Abhängigkeiten und Mehrdeutigkeiten. Meist bleibt in chaotischen Systemen keine Zeit Dinge zu analysieren und zu verstehen. Entscheidungen müssen getroffen und durchgesetzt werden. Danach muss das System beobachtet und auf die sich ergebenden Auswirkungen der Änderungen reagiert werden. 
Die Lösungsstrategie in chaotischen Systemen muss also 
– Act (handeln)
– Sense (erkennen)
– Respond (reagieren)
sein.

[1] https://stephangrabmeier.de/bani-versus-vuca/

[2] https://medium.com/@cascio/facing-the-age-of-chaos-b00687b1f51d

[3] https://netmind.net/en/bani-or-vuca/

[4] https://digitalisierungscoach.com/2021/10/13/das-cynefin-framework-in-der-softwareentwicklung-und-unternehmensentwicklung-ein-hilfsmittel-zur-entscheidungfindung-und-noch-viel-mehr/

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