7 Beispiele für Digitalisierung im Mittelstand

Digitalisierung bedeutet viel mehr als Automatisierung. Viele mittelständische Unternehmen reden von einer Digitalisierungswelle im Rahmen der Industrie 4.0, befinden sich aber mehr in einer Automatisierung 2.0. Digitalisierung geht aber viel weiter. Es geht um die Disruption ganzer Geschäftsfelder um die Erschaffung neuer Geschäftsmodelle und um den Besitz von Daten und die Möglichkeit aus den gesammelten Daten einen Mehrwert zu erzeugen. Nur die wenigsten mittelständische Unternehmen schaffen diesen letzten Punkt denn oftmals werden Daten unüberlegt gesammelt und haben daher nicht die ausreichende Qualität um mit ihnen auch Vorhersagen machen zu können und Data-Science betreiben zu können. Eine professionelle Beratung und Begleitung Ihrer Digitalisierungsprojekte von Anfang an durch erfahrene Experten ist ratsam und letzten Endes kostensparend und führt Sie schneller am Ihr Ziel. Dieser Artikel konzentriert sich daher auf Digitalisierungsprojekte die über Automatisierung hinausgehend Geschäftsmodelle erweitern oder neue Geschäftsmodelle entwickeln bzw. durch Daten Zusatznutzen entwickeln.

IOT

Das Internet der Dinge eröffnet uns allen unzählige neue Möglichkeiten. Zukünftig werden unsere alltäglich genutzten Elektrogeräte intelligenter und vernetzter. Bereits heute gibt es Zahlreiche IoT-Geräte die wir kaufen können und von deren Vernetztheit wir profitieren können. Seien es Küchengeräte, Kühlschränke, Glühbirnen oder sogar ganze Industriemaschinen und Anlagen.

1. Beispiel: Digitalisierung bei Kühlschrankherstellern

Jeder kennt die Situation: Von der Arbeit nach Hause und am Weg noch schnell einkaufen, doch was ist noch im Kühlschrank und was fehlt? Bereits heute gibt es Kühlschränke die über das Internet live und eine Kameraverbindung aufbauen damit man vom Supermarkt aus bequem nachsehen kann ob man noch Milch zuhause hat. Dieser Service ist erst der Anfang. In Zukunft wird man direkt auf dem Kühlschrank einen Bedienbildschirm haben in dem man seine Lieblingsprodukte vorkonfiguriert hat über ein entsprechendes Service können die Produkte dann bequem über das Internet bestellt werden. Der Lieferdienst bringt dann die frischen Lebensmittel binnen weniger Stunden direkt vor die Haustür. Soweit so alt. In diesem Szenario gibt es zahlreiche Möglichkeiten für klein und mittelständische Unternehmen.

  • Kühlschrankhersteller können einen Marktplatz bereitstellen und verschiedenen Supermärkten und Händlern die Möglichkeit bieten ihre Produkte zu verkaufen. Der Kühlschrankproduzent bekommt Vermittlungsprovisionen oder bietet Werbungsplätze an
  • Kühlschrankhersteller können ihr Geschäft erweitern und durch Kollaboration mit beispielsweise amazonFresh direkt Lebensmittel verkaufen
  • Regionale Supermärkte und Lebensmittelhändler können auf diesem Marktplatz vollautomatisch Umsätze generieren und ihren Marktplatz erweitern
  • Lieferdienste können Supermärkte ausstechen und selbst direkt Lebensmittel anbieten und die Logistik übernehmen oder Kooperationen mit lokalen Supermärkten eingehen

2. Beispiel: Digitalisierung bei Papierhandtuchspender-, Seifenspender-Herstellern

Bereits heute gibt es unzählige elektronische Papierhandtuchspender und Seifenspender auf Raststationen, in Hotels, in Restaurants, oder öffentlichen Gebäuden wie beispielsweise Schulen. Wie oft sind Sie schon vor einem leeren Spender gestanden, und mussten sich nach dem Waschen der Hände ohne Sie die nassen Hände dann abschütteln und notgedrungen in Ihrer Hose abzutrocknen. Die Wartung und der Service dieser Geräte ist eine aufwändige und kostspielige Angelegenheit.

Durch die Vernetzung dieser Spender und die Erweiterung um Sensoren die den Füllstand erfassen können Hersteller dieser Geräte neue Zusatzservices und neue Geschäftsmodelle anbieten.

  • Zusätzlicher Verkauf von Verbrauchsgütern
  • Zusätzlicher Verkauf von Services und Software an Großkunden
  • Verkauf von Daten an Facilitymanagement Unternehmen
  • Analyse und Optimierung von Wartungswegen und -maßnahmen
  • Verkauf von Daten zur Optimierung ganzer Einrichtungen wie Raststationen oder öffentlichen Einrichtungen
  • Mietmodell, Kunden können sowohl Hardware als auch Service mieten und nach Gebrauch monatlich Zahlen

3. Beispiel: Digitalisierung bei Lampenherstellern

Lampen sind heutzutage schon nicht ganz billig meist allerdings, weil viel Aufwand in das Design der Lampe gesteckt wird. Sie sind allerdings noch nicht sehr intelligent. Wenn eine Birne oder ein anderer Leuchtkörper ausfällt passiert nichts. Zukünftig können Lampen mittels IoT und Heimautomatisieung über das Internet konfiguriert werden. Das Haus erkennt die Stimmung seiner Bewohner und reagiert selbstständig auf deren Bedürfnisse. Ist beispielsweise eine Lampe bzw. dessen Leuchtkörper kaputt so erkennt dies die Lampe selbstständig und meldet dieses seinem Besitzer. Der Hausbesitzer kann dann bequem per App einen Ersatz bestellen und liefern lassen oder falls vorrätig gleich austauschen.

Es ergeben sich neue Geschäftsmodelle

  • Lampenhersteller können statt ihre teuren Lampen zu verkaufen Mietmodelle anbieten und nach Gebrauch monatlich abrechnen
  • Die Nutzungsdaten können an Facilitymanagement weitergeben und verrechnet werden
  • Es können Daten verkauft und aufgrund dieser Wartungsrouten berechnet werden
  • Es können ferngesteuert Lichtstimmungen konfiguriert und aktiviert werden; dieser Service kann via App an den Bewohner verkauft werden.

 

Predictive Maintenance

Das auswerten von Daten die mittels IoT und IIoT (Industrial IoT) gesammelt werden bietet einen erheblichen Hebel um Kosten zu sparen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So kann Predictive Maintenance zu einer massiven Reduktion von Wartungskosten und zu einer optimierten Bearbeitung von Wartungsfällen genutzt werden. Folgende Beispiele beschreiben die zahlreichen Vorteile von Predictive Maintenance die bereits heute umgesetzt werden.

4. Beispiel: Digitalisierung und Industrie 4.0 bei Industrieofenbauern

Industrieöfen sind technisch hoch komplexere Anlagen. Sie brauchen oft Stunden bis Tage um hochgefahren oder heruntergefahren zu werden. Sie sind auch wartungsintensiv und müssen ständig überwacht werden. Bereits heute werden sie mittels zahlreicher Sensoren überwacht. Überwachung und Wartung sind bei großen Industrieöfen dementsprechend teuer. Eine Verwendung der vorhandenen Daten mit dem Ziel, Wartungsintervalle zu optimieren und Zeiten in denen der Ofen nicht verwendet werden kann möglichst zu minimieren, ist wirtschaftlich somit sehr reizvoll. Um diesen vorhandenen Datenschatz jedoch verwenden zu können müssen möglichst viele die Daten zunächst gesammelt und klassifiziert werden. Danach können erst Data-Scientists mittels Machine Learning damit beginnen Modelle zu erstellen und somit Vorhersagen zu machen.

Folgende neue Geschäftsmodelle ergeben sich:

  • Verkauf von Zusatz Services des Ofenbauers an seine Kunden
  • Verkauf von Dienstleistungen des Ofenbauers
  • Mietmodelle oder Teilmietmodelle
  • Verkauf von Daten
  • Verkauf von Berstungsleistungen – Beratung von Optimierungen des Betriebs des Ofens

5. Beispiel: Digitalisierung bei Klimaanlagenherstellern und Installateurbetrieben

Mit der Klimaerwärmung, dem Immobilienboom und dem Boom der Hausautomatisierung zieht mehr und mehr das Bedürfnis nach klimatisierten Privatwohnraum in Mitteleuropa ein. Klimaanlagen sind praktisch und angenehm aber auch wartungsintensiv. Filter ununterbrochen Klimaflüssigkeit müssen regelmäßig gewartet und evtl. ausgetauscht werden. Auch hier werden zukünftig Klimaanlagen intelligenter und vernetzt und senden ihre Sensordaten entweder in die das System der Heimautomatisierung oder in die Cloud. Hersteller von Klimaanlagen können zukünftig diese Daten verwenden um einerseits Wartungseinsätze zu planen und optimieren und andererseits Servicemodelle zu Verkaufen.

Folgende neue Geschäftsmodelle sind möglich:

  • Verkauf der Wartungsdaten an Installateure
  • Verkauf von Wartungsservices von Herstellern direkt an Kunden
  • Verkauf von Verbrauchsmaterialien direkt an Kunden über Apps
  • Optimierung von Wartungseinsätzen
  • Verkauf von Daten generell (Klimadaten)
  • Kooperationen mit Heimautomatisierern

Upselling

Digitalisierung heißt nicht immer eine Verdrängung oder Disruption von ganzen Branchen. Es gibt auch zahlreiche Beispiele bei denen Digitalisierung das Geschäft ergänzt und nur in Teilen neue Geschäftsmodelle in Unternehmen einführt bzw. für Zusatzverkäufe sorgt. Folgende Beispiele zeigen dieses Upselling auf.

6. Beispiel: Digitalisierung bei Hausbesorger-Unternehmen

Hausbesitzer und Hausbesorger werden durch die Vorteile von Digitalisierung, Heimautomatisieung und IoT stark profitieren. Oft sind Mieter dennoch mit Ihren Hausbesorger unzufrieden, weil der Service und die Kommunikation oft nicht gut funktioniert. In den meisten Fällen werden Schäden am Haus oder Verschmutzungen in Gängen oft sehr spät behoben was zu Unmut bei den Bewohnern führt. Hier können Apps Abhilfe schaffen. Checklisten und Wartungsprotokolle die den Mietern per App zur Verfügung gestellt werden sorgen für Transparenz und zeigen, dass auch sorgfältig gearbeitet wurde. Über eine Mangelerfassungsfunktion in der App können Bewohner jederzeit Mängel die ihnen auffallen erfassen und an die Hausbesorger schicken. Diese bearbeiten dann den Fall mit Hilfe vordefinierter Arbeitsabläufe. Ändert sich der Status also der Bearbeitungszustand des mangels wird automatisch eine Benachrichtigung an den Mangelmelder gesegnet das schafft wiederum Vertrauen durch Transparenz. Bei Notfällen gibt es auch eine Notfallmeldefunktion die direkt zu dem Hausbesorger durchgestellt wird und unmittelbar eine Reaktion anstößt. Auftraggeber die dem Hausbesorger engagieren profitieren ebenfalls von der Transparenz und können die Leistungen des Hausbesorgers direkt nachvollziehen.

Die Vorteile:

  • Vertrauen wird geschaffen auf allen Seiten
  • Transparenz wird geschaffen
  • Barrieren in der Kommunikation werden abgebaut
  • Einsätze können schneller gemacht werden
  • Einsätze können besser geplant werden
  • Leistungen nachvollziehbar gemacht werden

7. Beispiel: Digitalisierung bei Gärtnereien und Floristen

Wer kennt das nicht, man kauft sich eine schöne Pflanze, hegt und pflegt sie einige Zeit und sie gedeiht ganz gut bis zu den Punkt an dem es mit der Pflanzengesundheit bergab geht. In solchen Fällen steht man oft sehr schnell ratlos da und versucht durch google Suchabfragen eine Ursache für das Problem zu finden. Denn, einen Gärtner extra wegen einer ungesunden Pflanze zu kontaktieren und ihn in die Wohnung zu bestellen ist weder wirtschaftlich noch zeitlich sinnvoll. Um diesen Pflanzensterben zu entgegnen kann die moderne Gärtnerei, der moderne Florist mit einem digitalen Geschäftsmodell wahren Mehrwert liefern. Eine Pflanzen-App stellt Funktionen zur Identifikation der Pflanze und zum Erfassen der Krankheitssymptome zur Verfügung. Dadurch wird der Gärtnerei oder dem Floristen aber ebenfalls ein zusätzlicher Marketingkanal geöffnet und er kann gegebenenfalls per Videotelefonie oder Online-Virtual-Support helfen und den Pflanzenbesitzer helfen. Dieser Service kann entweder kostenlos gemacht werden und als Marketinginstrument gesehen werden oder als eigene kostenpflichtige Dienstleistung für wenige Euro verrechnet werden. Sollte die Pflanze bereits in einem Stadium sein, in der sie leider nicht mehr zu retten ist hat der User die Möglichkeit gleich eine neue besser geeignete Pflanze über die App zu bestellen und sich liefern zu lassen.

Folgende Vorteile entstehen für den Floristen / für die Gärtnerei:

  • Kundenbindung
  • Zusätzlicher Marketing-Kanal bis hin zu schalten von Aktionen und Sonderaktionen und Werbungen
  • Zusätzliche Geschäftsmodelle
  • Zusatzverkäufe für weitere Pflanzen
  • Zeitersparung für Einsätze vor Ort
  • Möglichkeit kleinere sonst nicht wirtschaftliche Einsätze virtuell wahrzunehmen

Mehr zum Thema Digitalisierung

https://www.facebook.com/Digitalisierung Täglich zwischen 20 und 100 Beiträge aus über 200 verschiedenen Fachquellen

https://www.facebook.com/DerDigitalisierungsCoach/ Der DigitalisierungsCoach auf Facebook, Infos, Termine und mehr.

Zum Autor:

David Theil aus Linz Oberösterreich ist Digitalisierungs-Coach, Software-Entwickler und als Head of Presales and Delivery für über 30 Softwareentwickler verantwortlich. Beruflich beschäftigt er sich bereits jahrelang mit der Digitalisierung und hat bereits bei vielen Digitalisierungs-Projekten in der Wirtschaft federführend mitgewirkt. Er bewegt sich in Themen wie Digitalisierung, IoT, oder Industrie 4.0 sowohl beratend als auch praktisch mit echten Lösungen.

https://medium.com/@david.theil

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