Inhalt einer Digitalisierungsstrategie

Viele Manager erwarten sich von dem Digitalisierungsmanager ein Strategie-Papier, welches die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens abbildet. Eine Digitalisierungsstrategie ist aber ein Prozess, kein Dokument. In diesem Prozess, der in drei Schritten abgehandelt werden kann. Innerhalb dieser drei übergeordneten Schritte werden diverse Arbeitsschritte durchgeführt und Artefakte erzeugt es können auch Feedbackloops auftreten, sodass der gesamte Strategie-Prozess für die digitale Transformation des Unternehmens agil und iterativ stattfindet.

Die drei Übergeordneten Schritte sind

  1. Die Analyse des Unternehmens, seiner Kunden und der Ausgangsalge generell wie den Markt etc.
  2. Die Innovations und Ideenfindung
  3. Geschäftsmodellentwicklung

Aufbau einer Digitalisierungsstrategie

Potenzialanalyse und Definition der Ausgangslage

  • Stellendefinition und Kompetenzklärung des Digitalisierungsmanagers

Im ersten Schritt sollten zunächst die Verantwortung und die Kompetenz des Digitalisierungsmanagers geklärt sein. Nur wenn der Digitalisierungsmanager mit der Geschäftsführung ein gleiches Bild von der Erstellung und Umsetzung der Digitalisierungsstrategie haben, und es der Geschäftsführung klar ist was es heißt eine digitale Transformation zu durchlaufen, kann mit der Erstellung der Digitalisierungsstrategie begonnen werden.

  • Stakeholderanalyse und Einberufung des Steering-Committees

Der Digitalisierungsmanager braucht, egal wo er organisatorisch im Unternehmen angesiedelt ist und egal welche Kompetenzen er hat Mithilfe von Mitstreitern im Unternehmen. Die sind meist einflussreiche Führungskräfte, die in Form eines Steering-Committees gebündelt werden sollten.

  • Stakeholderanalyse

Um dies Teilnehmer des Steering-Committees zu identifizieren und ggf. auch andere wichtige Stakeholder der digitalen Transformation zu identifizieren sollten zunächst alle Personen und Personengruppen identifiziert werden, die direkt oder indirekt Einfluss auf die Digitalisierung des Unternehmens nehmen können. Dazu sollte eine Stakholder-Matrix angelegt werden.

  • Einberufung und betrieb des Steering-Committees

Um wichtige, weittragende Entscheidungen nicht alleine treffen zu müssen und ggf. Unterstützung und Hilfsmitteln aus dem Tagesbetrieb und der Organisation zu bekommen, ist es Ratsam das Steering-Committee aufgrund der Daten der Stakeholder-Analyse einzuberufen und regelmäßig abzuhalten. Nur Wenn die Führungsriege gesammelt hinter der digitalen Transformation steht lässt sich der Change im Unternehmen durchführen.

  • Definition der Erfolgskriterien der digitalen Transformation

Wann ist eine Digitalisierungsstrategie erfolgreich und woran erkennen die Beteiligten, dass die digitale Transformation durchlaufen wurde und ein Erfolg für das Unternehmen ist? Was ist den beteiligten Stakeholdern dabei besonders wichtig? All diese Fragen beantworteten die Definition der Erfolgskriterien in form eines Dokuments. Dieses Dokument ist das Resultat von Befragungen der Stakeholder und wird als Leitwerk für die digitale Transformation und die Entwicklung der Digitalisierungsstrategie verwendet.

  • Analyse der vorhandenen Geschäftsprozesse

Bereits vorhandene Geschäftsprozesse sind potentielle Ausgangspunkte für Digitalisierungsprojekte und können große Verbesserungspotentiale und Optimierungsmöglichkeiten bieten. Diese Digitalisierungsprojekte ersten Grades können sehr schnell positive Ergebnisse für die Beteiligten liefern. Um jedoch diese Potentiale zu erkennen, ist es notwendig zunächst alle vorhandenen Geschäftsprozesse zu analysieren und Verbesserungspotentiale zu suchen. Daraus abgleitet entstehen verbesserte Geschäftsprozess-Dokumentationen als Artefakte, sowie eine Management-Summery über die identifizieren Optimierungsmöglichkeiten und potentiellen Digitalisierungsprojekten.

  • Analyse der digitalen Kompetenz der Mitarbeiter

Durch Befragungstechniken und Interviews und Fragebögen kann die Kompetenz der Mitarbeiter in Fragen der Digitalisierung abgeklärt werden. Die Ergebnisse werden dann in Form von Reports zusammengefasst werden, und für den späteren Changeprozess und die Umsetzung der Digitalisierungsprojekte verwendet werden. Des Weiteren können maßgeschneiderte Schulungen und Ausbildungen für die Mitarbeiter konzipiert werden.

  • Suche und Identifizierung interner Innovatoren und Digitalisierern

Aufbauend auf Stakeholder-Analyse und der Analyse der Geschäftsprozesse, sowie der digitalen Kompetenz-Analyse der Mitarbeiter können interne Innovatoren und Digitalisierer identifiziert und für spätere Digitalisierungsprojekte vorgehalten werden.

  • Analyse bestehender Digitalisierungsprojekte

Eventuell bereits umgesetzte Digitalisierungsprojekte können analysiert werden und aus ihren Erfolgen und Scheitern gelernt werden. Potentiell unreife Digitalisierungsprojekte können aufgegriffen werden und verbessert bzw. erweitert werden. Bis zur Erstellung digitaler Geschäftsmodelle

  • Kundenbefragungen

Nicht nur interne Wissensquellen und Informationsquellen sind für die digitale Transformation wichtig, nein auch externe. Vor allem der Kunde sollte bei der Erstellung digitaler Geschäftsmodelle eine tragende Rolle spielen. Digitalisierungsprojekte sollten Userzentriert, bzw. Kundenzentriert umgesetzt werden. Dazu ist es vorab notwendig das Gebiet bzw. die Ausgangslage zu klären. Kundenbefragungen können mit Interviewtechniken oder Fragebögen durchgeführt werden. Die Ergebnisse in Form von Reports und Management-Summeries sind Ausgangslage für weitere wichtige Entscheidungen in der Digitalisierung des Unternehmens.

  • Marktanalyse

Die Konkurrenten, vor allem junge Technologieunternehmen sollten ebenfalls in die Erstellung der Digitalisierungsstrategie mit aufgenommen werden. Was macht der Markt, wie verändern sich die Kundenbedürfnisse und die Bedürfnisse der Menschen generell, und was machen die Konkurrenten. All dies sollte in einer Umfassenden Marktanalyse zusammengetragen werden, um aufgrund dieser Informationen eine Strategie für die Digitalisierung des Unternehmens aufzubauen. Hier wird ebenfalls als Artefakt ein Report erstellt.

Innovationssuche und Ideenfindung

Bei der Innovationssuche und der Umsetzung von digitalen Produkten und Dienstleistungen geht es nie um einen Selbstzweck für die Organisation, sondern immer um den User und den Kunden. Egal ob dieser Kunde intern ist, in Form eines Kollegen, der einen optimieren Geschäftsprozess dank Softwareunterstützung durchführen kann, oder um einen externen zahlenden Kunden der ein Produkt oder eine Dienstleistung konsumiert.

  • Budgetierung der Innovationsworkshops

Es gibt verschiedene Kreativitätstechniken und Methoden, die zur Ideenfindung und Innovationssuche angewendet werden. All diese Methoden haben das Ziel digitale Produkte und Dienstleistungen für Kunden und Anwender zu erzeugen, und dauern unterschiedlich lange, bzw. haben andere Outputs. Zwei erfolgreiche Methoden sind dabei beispielsweise Design-Thinking und die Customer-Journey. Daher ist es notwendig zuvor diese Workshops zu planen, strukturieren und dann letztlich auch mit den Steering-Committee zu Budgetieren.

  • Design-Thinking

Design-Thinking wird von vielen Unternehmen verwendet, um neue revolutionäre Produktideen zu generieren, die auch wirklich vom Kunden angenommen werden. Als Teil des Lean-Startup-Ansatzes ist es unmittelbar als Methode der Digitalisierung etabliert. Der Design-Thinking-Prozess bildet dabei einen Lernprozess ab, bei dem der Anwender (User) im Mittelpunkt steht. Ein interdisziplinäres Team, aus Fachexperten aus allen Bereichen des Unternehmens, versucht gemeinsam Fragestellungen zu entwickeln, die die Bedürfnisse und Motivationen der Anwender berücksichtigen. Der Design-Thinking-Prozess bildet somit den Arbeitsprozess eines Designers ab, der aus den Arbeitsschritten

Verstehen, Beobachten, Definieren und Ideen finden, Prototypen erstellen, Ausführen und Lernen besteht.

  • Customer-Journey

Bei der Customer Journey wird versucht den Gesamtprozess nachzuvollziehen, den ein Kunde vom Entstehen des eigentlichen Problems, bis hin zum Lösen dieses Problems, mittels Einsatzes eines neuen Produkts oder Bezug eines neuen Services. Es wird somit der Weg nachvollzogen und durchdacht, welchen der Kunde geht, bis er den neuen Service oder das neue Produkt bezieht.

Geschäftsmodell-Entwicklung (Business-Modelling)

Ausgehend aus den entwickelten innovativen Produktideen und den Ergebnissen aus den Innovationsworkshops können nun funktionierende digitale Geschäftsmodelle entworfen werden. Nur jene digitalen Produkte die vollständig durchdachte Geschäftsmodelle aufweisen, können auch wirtschaftlich betrieben werden und sich letzten Endes am Markt etablieren. Dazu sind folgende Schritte notwendig.

  • Blue-Ocean und Red-Ocean Strategie

Bevor es Sinn macht sich vertieft über Geschäftsmodelle Gedanken zu machen, sollte zunächst das Terrain geklärt werden, der Markt. Es ist eine Grundsatzfrage, bei der sich bereits jetzt sehr früh die Spreu vom Weizen trennt, wenn die Frage beantwortet wird, ob eine Blue-Ocean- oder eine Read-Ocean-Strategie[1] verfolgt wird. Denn je nachdem, welche Strategie verfolgt wird, werden in der nächsten Phase Projekte priorisiert oder zurückgereiht werden.

  • Business-Model-Canvas

Das Business-Model-Canvas[2] ist eine sehr gute Methode, um alle wichtigen Aspekte eines neuen Geschäftsmodell zu beleuchten. Es besteht aus neun Quadranten, die jeweils einen wichtigen Teilaspekt des Geschäftsmodells abdecken. Dabei stellt das Business-Model-Canvas die Frage, wie das Unternehmen so aufgebaut werden kann, dass es einen Mehrwert für die Kunden liefert. Der Kunde steht hier also im Mittelpunkt.

  • Galler „Magic Triangle“

Das St. Galler Magic-Triangle[3] ist eine weitere Methode neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Gegensatz zum Business-Model-Canvas ist das Magic-Triangle aber stark vereinfacht und stellt einen ganzen Innovationsprozess dar.

Fazit

Eine Digitalisierungsstrategie stellt somit einen Prozess mit vielen Artefakten und Inhalten dar. Es ist kein einfaches Papier, welches einmal ausgearbeitet wird und an das man sich dann 10 Jahre halten kann. Es kann nach diesen drei Hauptschritten zwar sehr wohl ein Management-Summary erstellt werden, welche alle wichtigen Erkenntnisse aus den durchlaufenen Schritten beinhaltet, wichtig ist aber was dann als Nächstes passiert, welche Geschäftsmodelle priorisiert und welche zurückgereiht werden. Der beginn der Umsetzung eines neuen digitalen Geschäftsmodells ist dann der Startschuss für die digitale Transformation und somit die Digitalisierung des Unternehmens.

Weitere Quellen

[1] Blue Ocean Strategy, Expanded Edition: How to Create Uncontested Market Space and Make the Competition Irrelevant 20. Januar 2015 von W. Chan Kim und Renée A. Mauborgne

[2] Business Model Generation: A Handbook for Visionaries, Game Changers, and Challengers by Alexander Osterwalder Yves Pigneur (2010-07-13) von Alexander Osterwalder Yves Pigneur

[3] Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator – 10. Juli 2017 von Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger, Michaela Csik

Business Model Generation: Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer – 8. August 2011 von Alexander Osterwalder

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Zum Autor:

David Theil ist DigitalisierungsCoach und hilft Unternhemen bei der Softwareentwicklung, App-Entwicklung und bei der Digitalisierung und Digitalisierungsprojekten

David Theil aus Linz Oberösterreich ist Digitalisierungs-Coach, Software-Entwickler und als Head of Software-Development für über 30 Softwareentwickler verantwortlich. Beruflich beschäftigt er sich bereits jahrelang mit der Digitalisierung und hat bereits bei vielen Digitalisierungs-Projekten in der Wirtschaft federführend mitgewirkt. Er bewegt sich in Themen wie Digitalisierung, IoT, oder Industrie 4.0 sowohl beratend als auch praktisch mit echten Lösungen.

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