Das 3-Horizonte-Modell für die Digitalisierungsstrategie

Das 3-Horizonte–Modell von McKinsey zur Planung und Veranschaulichung einer Digitalisierungsstrategie

Eine Digitalisierungsstrategie läuft immer in mehreren Phasen ab. Zunächst werden die „low hanging fruits“ identifiziert und umgesetzt. Danach die etwas umfangreicheren Projekte umgesetzt und letzten Endes neue Geschäftsmodelle entworfen. Das 3 Horizont-Modell bildet dies ab.

3Horiz

Das 3 Horizont Modell

Das 3 Horizont-Modell wurde erstmals 1999 in „The Alchemy Of Growth” vorgestellt. (The Alchemy Of Growth (Englisch) am 30. Juni 2000 von Baghai). Es bildet ein Modell ab, mit dem es Unternehmen schaffen ihr Kerngeschäft zu optimieren, automatisieren und zu digitalisieren und neue Geschäftsfelder zu generieren und neue Geschäftsmodelle zu erstellen.

Das Modell zeigt einen Weg auf wie ein Kompromiss zwischen dem Betrieb und der Optimierung des Bestehenden Geschäftsmodells auf der einen Seite und der Entwicklung von Innovationen und neuer Geschäftsmodelle auf der anderen Seite möglich ist. Denn viele Unternehmen hängen in einer Art Dauerschleife, bei der nur Optimiert wird und versucht wird das Kerngeschäft am Laufen zu halten und Innovationen abgewehrt werden. Das 3 Horizont – Modell bietet somit einen Ansatz den Sprung zwischen dem Betrieb eines Geschäftsmodells und dem Weiterentwickeln eines Geschäftsmodells zu schaffen.

Das Modell bildet auf den Achsen einerseits die Zeit und andererseits den Wertzuwachs ab. Dabei ist die Grafik eher als eine Art Kompass zu verstehen und weniger als detailgetreue Statistik. Es wird vorgeschlagen Die Entwicklung des Unternehmens in 3 Horizonte zu unterteilen. Jeder Horizont konzentriert sich auf einen eigenen Investitionsbereich und Arbeitsbereich. Die Achse Zeit repräsentiert den erwarteten Zeitraum der voraussichtlich benötigt wird bis ein erwarteter Effekt und Mehrwert eintritt.

Die folgenden Abschnitte stellen nun die drei Horizonte im Detail vor.

Horizont 1 – Optimieren und Automatisieren

Im ersten Horizont geht es darum aktuelle Kundenbedürfnisse zu befriedigen und ständig zu optimieren und besser zu werden. Die Zeitachse für Tätigkeiten in dieser Phase sind ist zwischen 1 und 3 Jahren lang. Das heißt es dauert 12- 36 Monate bis eine Tätigkeit oder eine Investition in diesem Abschnitt den erwünschten Effekt voll und ganz entfalten kann. Hier werden meist Digitalisierungsprojekte umgesetzt, Geschäftsprozesse automatisiert und Daten oder Dienstleistungen digitalisiert. Horizont 1 Projekte sind meist auch die Ausgangsbasis dafür, dass Umsatzsteigerungen und Einsparungen gemacht werden können und somit das vorhandene Geschäftsmodelle effizienter und effektiver funktioniert. Dadurch können diese Projekte auch Projekte im Horizont 2 und 3 Querfinanzieren. Meist werden allerdings Horizont 2 und Horizont 3 Projekte parallel zum Horizont 1 Projekten gestartet. Da diese aber früher „wirksam“ werden, einfacher zum Umsetzen sind und sich schneller spürbar im Gewinn niederschlagen werden diese Projekte meist zunächst höher priorisiert und bekommen mehr Ressourcen zugesprochen.

Horizont 2 –Geschäftsmodell(e) ausbauen und wachsen

In der Phase für den Horizont 2 werden Projekte umgesetzt, die sich um das Geschäftsmodell herum etablieren und über die Kerngeschäfte des Unternehmens herausgehen. Hier werden die nächsten inkrementellen Innovationen geschmiedet, die das Unternehmen die zukünftigen Kundenbedürfnisse befriedigen lässt. Typischer weise siedeln sich diese Projekte entlang der Customer Journey und der Supply-Chain an und übernehmen somit beispielsweise Aufgaben von Zulieferern oder Vertriebspartnern. Ein Typisches Horizont 2 Produkt wäre ein online Selfservice Shop oder ein Portal zur digitalen Bestellung von Teilen der Zulieferer. Horizont 2 Projekte haben meist eine Zeitachse von 2- 5 Jahren bis sie ihre Wirkung entfalten und einen Maßgeblichen Erfolg für das Unternehmen bedeuten.

Horizont 2 Projekte können als defensive Innovation gesehen werden. Sie adressieren jene Themen, die in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung und digitale Transformation sonst von Konkurrenten besetzt werden. Hierin liegt aber auch oft ein Problem. Einerseits sind Horizont 2 Produkte notwendig, um nicht von digitalen Startups verdrängt zu werden, auf der anderen Seite bedeuten diese Produkte und Projekte meist einen großen Aufwand. Neue Kunden und Partner müssen gefunden werden und neue Geschäftsmodelle aufgebaut und erweitert werden. Daher sind diese Produkte meist Investitionsaufwändig und benötigten viel Zeit, um sie in die Gewinnzone zu bringen. Die Ausrichtung und das Themengebiet sind außerdem riskanter und spekulativer da hier die möglichen Konkurrenten nicht rein aus der eigenen Branche kommen können, sondern auch aus dem Startup-Bereich. Typischerweise werden in traditionellen Unternehmen Horizont 2 Projekte eher ignoriert oder gemieden da hier die das Verständnis oft fehlt, dass die Marktführerschaft wackeln kann und diese Projekte nicht so gut wie Horizont 3 Projekte Marketing-Technisch ausgeschlachtet werden können.

Horizont 3 – Transformation und Innovation – neue Geschäftsmodelle

Bei Horizont 3 Projekte werden nicht nur die digitale Transformation und digitale Änderungen in Betracht gezogen, sondern auch disruptive Neuerungen und Technologien. Verantwortliche stellen sich hier die Frage was in den nächsten 5- 10 Jahren die gesamte Branche auf den Kopf stellen kann und das Unternehmen aus dem Markt drängen kann. Berühmte Beispiele für Horizont 3 Projekte wäre eine Entwicklung einer Digitalkamera die Kodak aus dem Sattel geschmissen hat. Horizont 3 Projekte und die dabei entwickelten Produkte stellen erst nach sehr langer Zeit, meistens erst zwischen 5 bis 10 Jahre, ihre Wirkung ein und bringen erst dann spürbar für das Unternehmen einen Mehrwert. Außerdem können diese Produkte und neue Geschäftsmodelle oft nicht mit dem bestehenden Kerngeschäft und Unternehmen kombiniert werden, sodass oft Ergebnisse aus Horizont 3 Projekte in eigene Unternehmen ausgelagert werden.

Horizont 3 Projekte laufen außerdem nie plangetrieben ab. Meist sind diese Projekte sehr agil, müssen ständig auf Änderungen vom Markt und neue Erkenntnisse, die gewonnen werden, reagieren.

Typische Fragen, die Sie sich für Horizont 3 Projekte stellen sind:

  • Was sind neue Technologien und Innovationen, die das Kundenverhalten in Zukunft dramatisch ändern und zu dynamischeren Märkten führen?
  • Gibt es eine Möglichkeit diese Änderungen auszunutzen und bestenfalls mittels Marktplatzierung, Patente und Partnerschaften zu dominieren?
  • Können diese Änderungen zum eigenen Nutzen verwendet werden?

Typische Unternehmen und Konzerne geben mindestens 70% ihres Budgets für Horizont 1 Projekte aus. Dagegen werden für Horizont 2 Projekte nur 20 % des R&D – Budgets ausgegeben und nur 10% für Horizont 3 Projekte.

Beispiele

Beispiel Horizont 1 Projekt

Ein Beispiel für ein Horizont 1 Projekt ist die Optimierung des Bestellprozesses durch die Einführung eines ERP-Systems und die Anpassung des darin abgebildeten Bestellprozesses auf die Bedürfnisse des Unternehmens.

Beispiel Horizont 2 Projekt

Ein bekanntes Beispiel für ein Horizont 2 Projekt ist die Entscheidung von Microsoft in den Home-Entertainment-Markt einzusteigen und eine eigene Spielekonsole zu erstellen. Mit der xBox ist Microsoft dies dann auch gelungen und ein neuer Markt war erschlossen.

Beispiel Horizont 3 Projekt

Neben Kodak ist Nokia ein bekanntes beispiel für ein Unternehmen, welches Userverhalten und Innovation falsch eingeschätzt hat. Nokia ist trotz der Marktführerschaft innerhalb kürzester Zeit vom Smartphone und iPhone verdrängt worden.

Quellen:

Digitale Neuordnung Andreas Diehl zuletzt abgerufen am 15.02.2020 https://digitaleneuordnung.de/blog/mckinsey-3-horizon-verstehen-und-anwenden/

The Alchemy Of Growth (Englisch) am 30. Juni 2000 von Baghai

Stratechi Blog „Three horizons of growth” zuletzt abgerufen am 15.02.2020 https://www.stratechi.com/three-horizons-of-growth/

Beyond the three horizons von Jimthe Singh zuletzt abgerufen am 15.02.2020 https://medium.com/@JimtheSingh/beyond-the-three-horizons-mckinseys-model-in-hindsight-d0cf844a8c5e

 


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Zum Autor:

David Theil ist DigitalisierungsCoach und hilft Unternhemen bei der Softwareentwicklung, App-Entwicklung und bei der Digitalisierung und Digitalisierungsprojekten

David Theil aus Linz Oberösterreich ist Digitalisierungs-Coach, Software-Entwickler und als Head of Software-Development für über 30 Softwareentwickler verantwortlich. Beruflich beschäftigt er sich bereits jahrelang mit der Digitalisierung und hat bereits bei vielen Digitalisierungs-Projekten in der Wirtschaft federführend mitgewirkt. Er bewegt sich in Themen wie Digitalisierung, IoT, oder Industrie 4.0 sowohl beratend als auch praktisch mit echten Lösungen.

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