Scrum und Freiheit

Immer wieder hört man in Jobinterviews von Bewerbern verschiedenste Gründe warum sie ihren alten Job an den Nagel hängen und einen neuen Job suchen. Doch, so verschieden diese Gründe auch sein mögen, so kann man alle auf einen gemeinsamen Nenner herunterbrechen. Es geht jedoch meist um folgende Punkte:

  • Mitbestimmung
  • Abwechslung
  • Respekt
  • Gleichheit
  • und Freiheit

Es gibt einen Prozess, den wir in der Softwareentwicklung einsetzen, der so simpel aber zugleich so mächtig ist, dass er alle diese Bedürfnisse per Definition bereits befriedigt – Scrum.

Scrum ist durch seinen Aufbau bereits dafür ausgelegt diese psychologischen Grundbedürfnisse der Teammitglieder zu befriedigen. Im Folgenden wird darauf näher eingegangen.

 

Zur Auffrischung

Bei Scrum wird ein großes Projekt in lauter kleine Micro-Projekte sogenannte Sprints zerlegt. Diese Sprints folgend immer dem selben Format:

  1. Planung,
  2. Umsetzung,
  3. Stabilisierung,
  4. Bereitstellung,
  5. Abnahme,
  6. Reflexion des Sprints und
  7. Erarbeiten von Verbessrungsvorschlägen

Dabei gibt es eine Hand voll Meetings, Rollen und Artefakte

Folgende Meetings gibt es:

  • Sprint-Planung
  • Daily-Standups
  • Refinement-Meetings
  • Sprint-Review-Meetings
  • Sprint-Retrospektiven-Meetings

Folgende Rollen gibt es:

Die wichtigsten Artefakte sind:

  • Product-Backlog
  • Product-Backlog-Items
  • Sprint-Backlogs
  • Produkt-Inkremente

 

 

1. Mitbestimmung

Wie oben ersichtlich gibt es bei Scrum keinen Projektleiter. Die drei existierenden Rollen sind in Ihren Tun und Lassen in ihren Handlungsspielräumen sehr frei, haben aber klar abgegrenzte Aufgabengebieter. So ist der Product-Owner hauptverantwortlich für das Produkt, seine Features den Mehrwert den jedes einzelne Feature aufweisen sollte und letzten Endes den Gewinn/Nutzen und den wirtschaftlichen Erfolg des Produktes. Der Scrum-Master ist hauptverantwortlich für den Scrum-Prozess an sich. Er sorgt dafür, dass Sprint, Meetings und Entwicklung effizient abgehandelt werden, moderiert und beseitigt Hindernisse jeglicher Art bzw. veranlasst dies. Das Team wiederum ist hauptverantwortlich für die (technische) Umsetzung, die Transparenz und die Qualität dieser Umsetzung. Es gibt aber keinen „klassischen“ Projektleiter, der den einzelnen Projektmitgliedern Aufgaben delegiert, Entscheidungen vorgibt, und Ergebnisse und Arbeitsfortschritt trackt. Scrum baut somit auf die Selbstständigkeit des Teams bzw. der einzelnen handelnden Personen auf. Technisch ist das Team also vollkommen frei und trifft seine eigenen Entscheidungen für die es letzten Endes auch Eintreten muss.

In der Sprintplanung / Im Refinement kann das Team selbst entscheiden, wie es geplante Product-Backlog-Items/Features umsetzen möchte und selbst schätzen wie lange diese Arbeiten brauchen werden.

In der Abarbeitung der Product-Backlog-Itemes kann sich jedes Teammitglied selbst die Aufgaben organisieren und Koordinieren.

In Retrospektiven können Alle Teammitglieder mitbestimmen was beim nächsten Sprint besser gemacht werden soll.

2. Abwechslung

Scrum setzt auf die Selbstorganisation des Teams. Das Umsetzungsteam darf sich selbst Koordinieren und so kann jeder im Team selbst bestimmen um welche Product-Backlog-Items er sich kümmern möchte. Es gibt keine Verantwortungsgebiete innerhalb der Umsetzung, keine Expertengebiete etc. Dadurch kann jedes Teammitglied selbst bestimmen wie abwechslungsreich es seinen Arbeitsalltag gestalten will. Wer heute im Backend entwickelt kann morgen, wenn er möchte, etwas im Frontend machen. Dies ist möglich, weil es eben keinen technischen Leiter gibt der Aufgaben zuteilt.

Einzig ein Wechseln innerhalb der Rollen ist bei Scrum nicht vorgesehen.

Diese Eigenschaft von Scrum hat sowohl Vor- als auf Nachteile. In vielen Unternehmen werden Aufgabenpakete zu strikt verteilt Mitarbeiter sind schnell abgestempelt und bekommen immer ähnliche Aufgaben. Diese Art dieses Managements wiederspricht zum Einen den Regeln des Scrum-Prozesses, zum Anderen macht dies oft auch Programmierer unglücklich. Es stellt auch ein Risiko für das Projekt dar, weil dieses Modul- und Expertendenken schlechter gegen ausfälle einzelner Teammitglieder aufgestellt ist. Auf der anderen Seite ist dieses Verhalten auch durchaus effizient, weil sich Experten auf Teilgebiete des Projekts und Module einarbeiten und dadurch schneller und besser werden.

Zum Koordinieren dieser agilen Aufgabenverteilung finden täglich 15-minütige Standups statt, die dem Team dazu dienen sich untereinander abzustimmen. So wird verhindert, dass sich Arbeiten gegenseitig behindern oder negativ beeinflussen.

3. Respekt

Obwohl Scrum ein agiler Prozess ist, und die Abarbeitung des Projekts agil erfolgt ist der Prozess an sich sehr starr. Diese Starrheit bringt aber klare Vorteile mit sich. So sind die Klaren Verantwortungsbereiche die die verschiedenen Rollen aufweisen eine gute Barriere um Konflikte zu vermeiden. In klassischen Wasserfall-Projekten wird ein Lasten- und Pflichtenheft geschrieben und in Auftrag gegeben. Die Entwicklung passiert in einer Blackbox. Das Entwicklerteam und der Ersteller der Spezifikation und somit Auftraggeber sehen sich während der Entwicklung gar nicht bis kaum. Es entsteht kein Wir-Gefühl und es findet keine oder nur wenig Kooperation statt. Dadurch entstehen auch Misstrauen, Unverständnis und unnötige Fehler. Durch die gelebte Transparenz und Kooperation im Scrum-Prozess wird ein Wir-Denken erzeugt, welches den Product-Owner mit ins Boot holt, ihn mit dem Projekt mitleben und mitarbeiten lässt. Es entsteht automatisch ein Verständnis und letzten Endes ein respektvoller Umgang zwischen den Personen. Um diese Zusammenarbeit zu verbessern bietet Scrum eine eigene Arena – die Retrospektive, die nach jedem Sprint abgehalten wird. Hier hat jeder Projektbeteiligte, Product-Owner, Teammitglied und Scrum-Master denselben Stimmgehalt und kann für Verbesserungen eintreten. Die tägliche Kommunikation in Standups sorgt auch für Verständnis und Respekt zwischen den einzelnen Teammitgliedern und schweißt das Team zusammen.

4. Gleichheit

Neben den einzelnen Aufgabengebieten die jede Rolle mit sich bringt, ist auch jede Rolle gleichermaßen wichtig für den Erfolg des Projektes. In Refinement-Meetings beispielsweise hat jedes Teammitglied die gleiche Stimmkraft. Es gibt keinen technischen Hauptverantwortlichen der die Schätzung vorgeben kann. Es gibt auch keinen Planungsbeauftragten der den nächsten Sprint plant. Die Backlog-Items werden nach Priorität des Product-Backlogs in die Sprintplanung überführt. Die Umsetzung wird jedoch selbst koordiniert und dabei gibt es keinen Projektleiter der hier Vorgaben macht. Im Team ist jeder gleichgestellt.

5. Freiheit

Wie oben bereits beschrieben ist jedes Projektmitglied frei in seinem Tun und Lassen. Einzig und alleine zählen die in der Sprintplanung oder dem Refinement vereinbarten Sprint-Ziele und Schätzungen. Es ist Teammitgliedern nicht erlaubt außerhalb des im Sprint vereinbarten Rahmens zu agieren. Innerhalb ist das Team und sind die jeweiligen Teammitglieder aber selbstorganisiert und selbstverantwortlich. Diese Freiheit und Möglichkeit zur Mitgestaltung ist das, was uns Softwareentwickler motiviert und antreibt.

 

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Zum Autor:

David Theil aus Linz Oberösterreich ist Digitalisierungs-Coach, Software-Entwickler und als Head of Presales and Delivery für über 30 Softwareentwickler verantwortlich. Beruflich beschäftigt er sich bereits jahrelang mit der Digitalisierung und hat bereits bei vielen Digitalisierungs-Projekten in der Wirtschaft federführend mitgewirkt. Er bewegt sich in Themen wie Digitalisierung, IoT, oder Industrie 4.0 sowohl beratend als auch praktisch mit echten Lösungen.

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4 Kommentare zu „Scrum und Freiheit

Gib deinen ab

  1. Hallo,
    Danke, es hört sehr toll an nur
    ich bin mit der Scrum Master Rolle nicht ganz einverstanden. Scrum Master beseitigt nicht alle Hindernisse selber sondern sorgt dazu das die behoben werden. Er übernimmt die Hindernisse nur wenn das Team nicht beseitigen kann. Damit fördert der Scrum Master die Selbstorganisatin des Teams.

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